Der im ArchiTangle Verlag erschienene Band zum aktuellen Aga Khan Award for Architecture 2025 richtet den Blick auf Projekte jenseits des westlichen Kanons: auf Bauten in Pakistan, China, Bangladesch und anderen Ländern mit muslimischer Prägung. Sie alle zeigen, dass Architektur auch unter schwierigen politischen, sozialen und ökologischen Bedingungen Wirkung entfalten kann.
Sandra Hofmeister
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Optimism in Architecture, Lesley Lokko (ed).,hardcover, 304 pages, ArchTangle, Berlin 2025 → jetzt bestellen
Architektur der Zuversicht
Lesley Lokko stellt in ihrem Essay „Half a Glass: Optimism and Architecture“ die Frage, ob Architektur Optimismus verbreiten kann. Mit Blick auf den 16. Aga Khan Award lautet die Antwort: ja. Ausgezeichnet wurden Projekte in Krisenkontexten, die, wie Lokko schreibt, „to produce moments and monuments that speak to a more benign and optimistic vision of the future“. Der Preis verschafft ihnen die Sichtbarkeit, die sie verdienen.
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© Aga Khan Trust for Culture
Ein Preis für das Gemeinsame
Der Aga Khan Award wird alle drei Jahre vergeben. Er würdigt nicht nur Architektinnen und Architekten, sondern auch Auftraggeber:innen, Gemeinden, handwerkliche Qualität und Ingenieurskunst. Gegründet wurde er 1977 von Prinz Karim Aga Khan, um Bauten auszuzeichnen, die auf die Bedürfnisse von Gesellschaften mit signifikanter muslimischer Präsenz eingehen.
Majara Residence and Community Redevelopment Hormuz Island, Iran, ZAV Architects / Mohamadreza Ghodousi, © Aga Khan Trust for Culture
Jenseits des westlichen Blicks
Seit Jahrzehnten rückt der Preis Projekte in den Mittelpunkt, die im westlich geprägten Architekturdiskurs oft übersehen werden. Auch die Shortlist von 2025 zeigt diese geografische und kulturelle Spannweite: Sie reicht von der chinesischen Mongolei bis nach Palästina und vom Iran bis ins ägyptische Esna, wo Takween Integrated Community Development einen historischen Ort revitalisiert hat.
© Aga Khan Trust for Culture / Mikaela Burstow (photographer)
Bauen in unsicheren Zeiten
Zu den sieben Auszeichnungen des Jahres 2025 zählen Marina Tabassum Architects für das Khudi-Bari-Projekt in Bangladesch und DB Studio für den Bildungsbau Vision Pakistan in Islamabad. Zwei prämierte Projekte liegen im Iran: die Majara Residence and Community Redevelopment von ZAV Architects auf der Insel Hormuz sowie die Jahan Metro Plaza in Teheran von KA Architecture Studio. Was aus ihnen unter den heutigen Bedingungen geworden ist, bleibt offen.
© Aga Khan Trust for Culture
Perspektiven
Das Buch eröffnet eine architektonische Welt, die hierzulande noch immer zu wenig wahrgenommen wird. Die Projekte überraschen durch ihre Spannweite: vom Schulcampus von Kéré Architecture in Kenia bis zu den kleinen Hütten, der MIkroarchitektur für Bibliotheken, von Shau Architects in Indonesien. Gerade diese Vielfalt macht deutlich, wie begrenzt der westliche Blick auf Architektur oft ist. Umso wichtiger ist ein Preis wie der Aga Khan Award, der andere Realitäten sichtbar macht.
Optimism in Architecture
Lesley Lokko (ed).,
contributions by Azra Akšamija, Lucia Allais, David Basulto, Farrokh, Derakhshani, Yvonne Farrell, Hanif Kara, Yacouba Konaté, Lesley Lokko, Raafat, Majzoub, Deen Sharp, and Cristina Steingräber
Design: Julia Wagner, grafikanstalt
hardcover, 304 pages
Berlin 2025
ISBN 978-3-96680-040-2-
© Aga Khan Trust for Culture / City Syntax (F. M. Faruque Abdullah Shawon, H. M. Fozla Rabby Apurbo)
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© 2021 Takween ICD / Ahmed Mostafa |