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In Architecture for Warfare, erschienen bei Jovis, zeigt der Landschaftsarchitekt Ed Wall, wie sein Beruf zum Teil der Kriegsindustrie werden kann.

Isabella Marboe, genau!

 

Bauen und Macht

Das schmale, leichte Buch versammelt Internet-Recherchen, die die enge Verflechtung von Architektur, Landschafts-, Stadt- und Ingenieurplanung mit der Kriegswirtschaft dokumentieren. Bauen war immer mit Macht verbunden, doch dass global agierende Architekturbüros heute in Konzernstrukturen mit militärischen Auftraggebern verflochten sind und daran massiv verdienen, ist erschreckend. Noch verstörender ist, dass all diese Informationen öffentlich zugänglich sind.

 

Ed Wall, Architecture for Warfare. How Corporations Profit From Destruction and Reconstruction, Jovis, Berlin 2025 → jetzt bestellen

Lebensraum schaffen

Wall beschreibt, wie Berufe, deren Aufgabe es ist, Lebensraum zu schaffen, Bestandteile eines Geschäftsmodells werden, das dessen Zerstörung mit einkalkuliert. Was im Krieg vernichtet wird, muss wieder aufgebaut werden; Wiederaufbau wird damit Teil militärischer Wertschöpfungsketten. Im Zentrum steht AECOM, ein US-Konzern, der sich als globaler Infrastrukturführer präsentiert und mit Nachhaltigkeit, Innovation und gesellschaftlichem Fortschritt wirbt. Mit Tausenden Architekt:innen und Ingenieur:innen realisiert das Unternehmen weltweit Großprojekte. Wall zeigt jedoch die andere Seite: AECOM ist eng mit militärischen Auftraggebern verbunden und deckt kriegsrelevante Leistungen von Planung und Bau bis zu Logistik, Wartung und Wiederaufbau ab.

 

 

Planung in Bagdad

Wall war selbst bei AECOM beschäftigt. Bei der Planung eines öffentlichen Platzes in Bagdad erkannte er, dass das Unternehmen dort massiv vom Krieg profitiert hatte. Gemeinsam mit Kolleg:innen begann er zu recherchieren und stellte fest, wie offen die Verbindungen zutage liegen. AECOM rekrutiert gezielt Veteranen, beschäftigt Tausende ehemalige Militärangehörige und wurde als „Military Friendly Employer“ ausgezeichnet. Die Grenzen zwischen ziviler Planung und militärischer Infrastruktur verschwimmen systematisch.

 

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Zerstörung und Wiederaufbau

Als breit aufgestellter Konzern kann AECOM nahezu alle Phasen eines Konfliktzyklus bedienen. Zwar produziert das Unternehmen keine Waffen, profitiert aber erheblich von Zerstörung und Wiederaufbau. Zugleich geriet der Konzern immer wieder wegen überhöhter Abrechnungen, Klagen und millionenschwerer Vergleiche in die Kritik. 2020 gliederte AECOM seine Management-Sparte aus; daraus entstand Amentum. Dennoch stammen weiterhin viele Aufträge aus dem militärischen Bereich. Gleichzeitig wird AECOM für Ethik, Gleich-stellung und Unternehmensführung ausgezeichnet. Gerade diese Diskrepanz macht Walls Fallstudie so brisant.

Das Buch leistet einen wichtigen Beitrag zum Problembewusstsein. Es zeigt auch, dass berufsethische Richtlinien angesichts globaler Firmenstrukturen und komplexer Auftragssysteme oft an ihre Grenzen stoßen.

Dieser Text von Isabella Marboe erschien erstmals in ausführlichen Fassung bei unserem Kooperationspartner genau!

Ed Wall,
Architecture for Warfare
How Corporations Profit From Destruction and Reconstruction
softcover, 11 × 18 cm
96 Seiten, 23 farb. Abb.
Text: Englisch
Jovis-Verlag, Berlin 2025
ISBN 978-3-98612-281-2

jetzt bestellen

 

Type Title Publisher Year

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Dr. Sandra Hofmeister
Herausgeberin

Veterinärstr. 9
80539 München
Deutschland


Calle Gian Battista Tiepolo
Castello 609
30122 Venezia
Italia

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