Das Leben und die Entwürfe von Dieter Rams in einzelnen Kapiteln und Stationen: Sophie Lovells Monografie „Dieter Rams: So wenig Design wie möglich“ geht einem Phänomen auf den Grund.
Sandra Hofmeister
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Dieter Rams 1975, aus: Sophie Lovell, Dieter Rams: So wenig Design wie möglich, Phaidon, London 2025
„In vielerlei Hinsicht ist Dieter Rams‘ Arbeit nicht mehr verbesserungsfähig“, schreibt Jonathan Ive im Vorwort dieser großen Dieter Rams-Monografie, und die Stimme des ehemaligen Apple-Designers hat viel Gewicht. Dieter Rams wird international geschätzt und verehrt. In Japan wird der deutsche Designer aus Kronberg bei Frankfurt verehrt wie ein Rockstar, nur Deutschland war die Begeisterung lange eher zurückhaltend. Spätestens seit Apple den digitalen Rechner des iPhones dem Design des Braun-Taschenrechners von Dieter Rams nachempfunden hat, ist der deutsche Designer auch in den USA eine Legende. Die britische Journalistin und Autorin Sophie Lovell hat die erste große Monografie zu Dieter Rams Gesamtwerk verfasst. Der 400 Seiten dicke Band erschien schon 2011 bei Phaidon – bezeichnender Weise auf Englisch. Erst einige Jahre später kam die deutsche Übersetzung auf den Markt, heute ist sie auch bei Phaidon verlegt. Das Buch ist ein Bestseller, die im Design besonders selten sind.
Braun-Archive, Foto: Florian Böhm, from: Sophie Lovell, Dieter Rams: So wenig Design wie möglich, Phaidon, London 2025
Etappen eines Lebens
„Gleichgültigkeit gegenüber den Menschen und der Wirklichkeit, in der sie leben, ist die einzig wirkliche Todsünde beim Design.“ Dieses Rams-Zitat ist dem Buch als Leitmotiv vorangestellt. Einzelne Lebensetappen des studierten Architekten sind in Kapitel gegliedert, es gibt es ein Kapitel zu Braun, eines zu dem Möbeln von Vitsœ und ein besonders spannendes zum Haus von Dieter Rams im hessischen Kronberg. Fotoessays von Florian Böhm geben Einblicke in Dieter Rams Zuhause, die Arbeitsatmosphäre in der Werkstatt, Details der Welt seiner Objekte. Zeichnungen und historische Fotos von Kollegen wie Hans Gugelot oder Otl Aicher ergänzen die Rundumschau.
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Braun-Logo, Design: Wolfgang Schmittel, 1958, aus: Sophie Lovell, Dieter Rams: So wenig Design wie möglich, Phaidon, London 2025
So wenig Design wie möglich
Ein eigenes Kapitel ist auch den Thesen zum Design gewidmet, die Dieter Rams als Manfifest formuliert hat – heute sind sie ein Meilenstein im Design-Erbe des deutschen Industriedesigners. „Die Erfahrung mit Design ist Erfahrung mit Menschen“, heißt es da beispielsweise – eine Maxime, die als Grundlage für Gestaltung gelten kann und doch nicht selbstverständlich ist. „Gutes Design ist umweltfreundlich“ fordert Rams außerdem. Gerade so, als ob er die ökologische Bewegung, die erst in den 60er- und 70er-Jahren entstand, vorweggenommen hätte.
Plattenspieler SK 4, Dieter Rams und Hans Gugelot, 1956, aus: Sophie Lovell, Dieter Rams: So wenig Design wie möglich, Phaidon, London 2025
Langlebig und unaufdringlich
Ein Register und ein Werkverzeichnis schließen diese umfassende Werkmonografie zu Dieter Rams ab. Die grafische Gestaltung des Buchs von Kobi Benezri auf wertigem Papier mit viel Weißraum, unaufgeregter Schrift und reduzierten Bildunterschriften ist ebenso unaufdringlich wie konsequent. „Gutes Design ist langlebig“ heißt eine von Dieter Rams Thesen, und sie trifft auch auf dieses Buch zu. Obwohl der Band heute 15 Jahre alt ist, bleibt er zeitlos – genau wie viele Entwürfe von Dieter Rams selbst.
Sophie Lovell, Vorwort von Jonathan Ive,
Dieter Rams: So wenig Design wie möglich
400 Seiten, 320 Abbildungen
Phaidon, London 2025
ISBN 9781838669706
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Blick vom Studio in den Garten im Haus von Dieter Rams in Kronberg, Foto: Florian Böhm, aus: Sophie Lovell, Dieter Rams: So wenig Design wie möglich, Phaidon, London 2025
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Sophie Lovell, Dieter Rams: So wenig Design wie möglich, Phaidon, London 2025
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Sophie Lovell, Dieter Rams: So wenig Design wie möglich, Phaidon, London 2025