Grüne Freizeit-Oase mit bewegter Geschichte: Die Donauinsel in Wien, ihre Entstehung und ihre Bedeutung als Erholungsort sind in diesem vielschichtigen Buch im Falter-Verlag festgehalten, das begleitend zur Ausstellung im Wien Museum erschienen ist.
Die Donauinsel. 21 Kilometer Freiraum, Martina Nußbaumer, Ulrike Krippner (Hgg.), 432 Seiten, Falter Verlag, Wien 2026→ jetzt bestellen
Mehr als 200.000 Menschen strömen an sonnigen Sommertagen auf die Wiener Donauinsel. Was heute als beliebtes Freizeitparadies gilt, entstand ursprünglich aus einem ganz anderen Grund: als technisches Großprojekt zum Schutz der Stadt vor Hochwasser. Die spannende Geschichte dieses einzigartigen Freiraums erzählt der reich bebilderte Band Die Donauinsel. 21 Kilometer Freiraum, der begleitend zur gleichnamigen Ausstellung im Wien Museum erscheint.
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Foto: Klaus Pichler, Wien Museum
Vom Hochwasserschutz zur Freizeitinsel
Die Donauinsel gehört heute so selbstverständlich zu Wien, dass viele glauben, sie sei schon immer Teil des Stadtbildes gewesen. Tatsächlich handelt es sich um eine künstlich angelegte Insel, die zwischen 1972 und 1988 gemeinsam mit der Neuen Donau geschaffen wurde. Ihr ursprünglicher Zweck war rein funktional: Wien sollte künftig besser vor verheerenden Hochwasserereignissen geschützt werden.
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Gottfried Hansjakob: Ausführungsplanung für den Nordteil (Vorentwurf), 1976, Photo: Archiv Österreichischer Landschaftsarchitektur an der BOKU University
21 Kilometer Grün
Doch aus dem technischen Bauwerk entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte einer der wichtigsten Erholungsräume der österreichischen Hauptstadt. Der über 21 Kilometer lange und bis zu 250 Meter breite Grünstreifen ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil des urbanen Lebens.
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Foto: Klaus Pichler, Wien Museum
Freizeit am Wasser
Open-Air-Festivals, Grillabende, Biergärten, Badeplätze und entspannte Stunden in der Hängematte – die Donauinsel ist längst zum Synonym für Sommer in Wien geworden. Dass sie einmal als Freizeitparadies dienen würde, war bei den ersten politischen Beschlüssen im Jahr 1969 allerdings weder geplant noch absehbar. Ursprünglich als reines Hochwasserschutzprojekt konzipiert, war das Vorhaben politisch umstritten. Erst über einen Zeitraum von rund drei Jahrzehnten entwickelte sich die Insel zu jenem vielfältigen Natur- und Erholungsraum, den heute Millionen Menschen schätzen.
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Badegäste an der Donau, 1930. Foto: Österreichische Nationalbibliothek
Geplante Natur
Die Entwicklung der Donauinsel verlief keineswegs geradlinig. Im Laufe der Planungen wurden zahlreiche Nutzungsideen diskutiert und wieder verworfen: Hochhäuser, ein Truppenübungsplatz oder sogar ein Zentralbahnhof standen zeitweise zur Debatte. Ebenso scheiterte die Vorstellung, die Insel lediglich als technischen Damm ohne Zugang zur Neuen Donau zu gestalten.
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Foto: Klaus Pichler, Wien Museum
Stattdessen setzten sich zahlreiche Planer, Wissenschaftler und engagierte Bürger für eine möglichst naturnahe Gestaltung ein. Die aufkommende Umweltbewegung der 1970er-Jahre verlieh diesen Forderungen zusätzlichen Rückenwind. Das Ergebnis ist eine Landschaft, die technische Infrastruktur und naturnahe Erholung auf bemerkenswerte Weise verbindet.
Geschichte und Gegenwart
Das Buch zur Ausstellung beleuchtet die Entstehung, Entwicklung und heutige Bedeutung der Donauinsel. Es erzählt von den jahrzehntelangen Bemühungen um einen wirksamen Hochwasserschutz für Wien und von der „wilden“ Nutzung des ehemaligen Überschwemmungsgebiets, die bereits vieles von der späteren Freizeitkultur vorwegnahm.
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Foto: Klaus Pichler, Wien Museum
Gleichzeitig widmet sich der Band der komplexen Planungs- und Baugeschichte dieses in seiner Dimension einzigartigen Projekts. Deutlich wird dabei auch die zentrale ökologische und soziale Rolle der Donauinsel in einer Stadt, die wächst und sich zunehmend mit den Herausforderungen des Klimawandels auseinandersetzen muss.
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Foto: Klaus Pichler, Wien Museum
Der Ausstellungskatalog versammelt rund 60 Beiträge, Interviews und Porträts. Zahlreiche historische Fotografien sowie Klaus Pichlers Fotoprojekt „Eine Insel, viele Geschichten“ eröffnen vielfältige Perspektiven auf diesen außergewöhnlichen Ort. Entstanden ist ein ebenso informatives wie inspirierendes Buch über ein Stück Wien, das weit mehr ist als eine Freizeitfläche – nämlich ein Kulturphänomen mit großer gesellschaftlicher Bedeutung.
Buch und Ausstellung
Die Donauinsel. 21 Kilometer Freiraum
Martina Nußbaumer, Ulrike Krippner (Hgg.),
432 Seiten, Falter Verlag, Wien 2026
ISBN 978-3-99166-046-0
Ausstellung im Wien Museum
bis 30. August, Karlsplatz 8, AT-1040 Wien