Edi Rama ist Premier von Albanien und ein guter Geschichtenerzähler, der sein Land mit Architektur neu erfinden möchte. Der neue Band The Albanian Files zeigt, was 60 internationale Architekturbüros dazu beitrugen.
Isabella Marboe, genau!
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The Albanian Files, Freedom and Architecture, Anneke Abhelakh (ed.), foreword by Edi Rama with contributions from 60 architectural studios, 796 pages, ca 1500 illustrations, paperback, Lars Müller Publishers, Zurich 2026 → jetzt bestellen
Albanien ist ein gutes Pflaster für internationale Stararchitektur. Der Klappentext von The Albanian Files. Freedom and Architecture, erschienen bei Lars Müller Publishers, listet 60 internationale, prominente Büros auf. Sie alle haben Projekte für und in Albanien entworfen, geplant oder umgesetzt. Viele kontaktierte Edi Rama, der charismatische Premierminister, persönlich.
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Skanderbeg-square by 51N4E, © 51N4E
Neue Narrative
Aires Mateus e Associados, Álvaro Siza: Mit diesen Namen beginnt die Reihe jener Teams, die seit den frühen 2000er-Jahren die albanische Stadt- und Naturlandschaft bearbeiten. Das Spektrum reicht von der Handskizze bis zum Hochhaus und großmaßstäblichen Stadtentwicklungsprojekt.
Dass gerade das A so ergiebig ist, passt: Albanien, Architektur – und große Namen, mit denen sich eine große Geschichte erzählen lässt. Die Geschichte eines von Diktator Enver Hoxha isolierten Landes, das sich mit signifikanter Architektur und internationalen Büros neu erfindet. Lokale Architekturbüros erscheinen dagegen fast ausschließlich als Partner.
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The Besa Museeum, by Oppenheim Architecture, © Oppenheim Architecture
Überwachung und Kontrolle
Im Vorwort erinnert Rama daran, dass das Wort „file“ in Albanien lange für Überwachung und Kontrolle stand. Die Dossiers dieses Buches seien das Gegenteil: Spuren von Begegnungen zwischen Architekten und Albanien, „Instrumente, um mögliche Zukunftsszenarien zu erahnen“. Die Frage ist nur, ob Architektur nicht eher Menschen als einer Geschichte folgen sollte.
Auf 793 Seiten versammelt das Buch Projekte und Positionen fast wie ein Telefonbuch. Die Bedingungen, unter denen sie entstehen, und die Realitäten, die sie schaffen, bleiben außen vor. Denn The Albanian Files ist vor allem eine Leistungsschau dessen, was in den vergangenen Jahrzehnten geplant und gebaut wurde – und das ist eine Menge.
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Research for Museum of Navigation, Shkodra (under construction,2025), Image courtesy of Casanova + Hernandez Architects
Wettbewerbe und Einfluss
Herausgeberin Anneke Abhelakh ordnet die Entwicklung politisch ein: Nach dem Ende der Diktatur 1992 sei der Raum selbst zu einem politischen Akt geworden. Unter Edi Rama seien Stadtentwicklung und Regierungsarbeit eng miteinander verflochten. Internationale Wettbewerbe brachten seit den frühen 2000er-Jahren zahlreiche ausländische Architekten ins Land. Diese Entwicklung, schreibt Abhelakh, werfe Fragen nach Austausch, Einfluss und danach auf, „wer spricht und wer gehört wird“.
Antworten liefert das Buch darauf nicht, aber es stellt jedem Büro dieselben Fragen: Wie kam es nach Albanien? Wie unterscheidet sich die Arbeit dort vom gewohnten Kontext? Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit lokalen Büros? Welche Chancen und Herausforderungen bietet das Land? Die Antworten gehören zu den aufschlussreichsten Teilen des Bandes.
The Albanian Files, Freedom and Architecture,
Anneke Abhelakh (ed.),
Foreword by Edi Rama
with contributions from 60 architectural studios
Design: Haller Brun
22,5 × 30 cm
796 pages, ca 1500 illustrations
paperback
Lars Müller Publishers
Zurich 2026
ISBN 2026, 978-3-03778-800-4
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