Wohnen im Mews-Haus: Ellis Woodman zeigt uns 16 Beispiele der speziellen Wohntypologie.
Florian Heilmeyer
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Ellis Woodman, At Home in London. The Mews House, MACK Books, London 2025
Die Mews sind eine britische, vielleicht sogar eine Londoner Spezialität. Hinter den georgianischen oder viktorianischen Wohnhäusern der bessergestellten Bürgerinnen und Bürger lagen versteckte Infrastrukturen, die deren Lebensweise versorgten: enge Gassen mit noch engeren Unterkünften, klein und pragmatisch, ein- oder zweigeschossig, mit Mauern oder Gattern und kleinen Höfen, auf denen Kutschen und Pferde standen, auf denen Waren abgeliefert und der Müll entsorgt werden konnte. Der Essay von Ellis Woodman über die Geschichte der Mews lässt keine Romantik aufkommen: Es war eine kleine, meist schmutzige und selten gut riechende Welt hinter den bürgerlichen Fassaden. Eine Welt der einfachen Menschen, der Dienstboten, Lieferanten und Handwerker.
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Matthew Blunderfield, 11 Orleston Mews, from At Home in London: The Mews House by Ellis Woodman (MACK, 2025). Courtesy of the artist and MACK
Strukturwandel und Umbau
Mit dem Aufkommen des Automobils veränderte sich die Funktionsweise dieser Welt, und die Höfe und Gassen wurden abgerissen oder für den dauerhaften Wohngebrauch hergerichtet. Bald waren sie speziell bei Künstlern und Bohemiens beliebt, so erzählt es dieses Buch, denn die waren auf der Suche nach günstigen, aber zentral gelegenen Wohnungen oder Ateliers, und sie waren mit einfachen Räumen schon zufrieden. Mit den Teuerungen des Lebens in London stieg die Beliebtheit der Mews weiter, die bald auch wohlhabendere Menschen anzogen, sodass manches Häuslein stark ausgebaut oder durch Neubauten ersetzt wurde. Auf kleinstem Raum mussten dabei oft ungewöhnliche, fantasievolle oder experimentelle Lösungen gefunden werden, etwa dafür, wie Wohnen und Arbeiten flexibel untergebracht werden können oder wie mehr Licht ins Innere geholt werden kann.
Matthew Blunderfield, 11 Orleston Mews, from At Home in London: The Mews House by Ellis Woodman (MACK, 2025). Courtesy of the artist and MACK
Geschichte und Gegenwart
Das Buch At Home in London: The Mews House dokumentiert 16 Mews-Häuser in London, die seit den 1960er-Jahren um- oder neu gebaut wurden – und wie! Der Fotograf Matthew Blunderfield hat für das Buch jedes der gezeigten Beispiele neu abgelichtet, und der Direktor der Architecture Foundation, Ellis Woodman, hat knappe, aber präzise Texte zu jedem Projekt verfasst. Auch sein einleitender Essay über die Geschichte der Mews ist mit vier Seiten erstaunlich kurz, aber reichhaltig. Zudem wurden zu jedem Projekt Zeichnungen angefertigt.
Matthew Blunderfield, Whatcott’s Yard, from At Home in London: The Mews House by Ellis Woodman (MACK, 2025). Courtesy of the artist and MACK
Beeindruckende Projekte
Dabei zeichnen die chronologisch sortierten Fallstudien auch ganz nebenbei die jüngsten Entwicklungen nach. Finden sich unter den ersten Projekten noch viele selbst gebaute Beispiele, darunter auch die Eigenheime von Architekten wie John Winter oder Peter St. John, so endet das Buch mit zwei beeindruckenden Projekten von Peter Barber und Al-Jawad Pike, bei denen komplette Straßenzüge von Mews neu gebaut wurden. Bei Al-Jawad Pike sind es noch bescheidene 11 Reihenhäuser, bei Peter Barber bereits beeindruckende 96 (!) Wohneinheiten, die mit ihrer Backsteinarchitektur an autofreien Gassen die Tradition der Mews ins 21. Jahrhundert transportieren. Eine sehr inspirierende Lektüre, auch wenn diese zum Großteil aus Plänen und Bildern besteht.
Ellis Woodman
At Home in London. The Mews House
Hardcover, 29 × 28 cm, 132 Seiten
MACK Books
London 2025
ISBN 978-1-915743-66-4
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Matthew Blunderfield, Edgewood Mews, from At Home in London: The Mews House by Ellis Woodman (MACK, 2025). Courtesy of the artist and MACK
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Matthew Blunderfield, 5 Wembury Mews, from At Home in London: The Mews House by Ellis Woodman (MACK, 2025). Courtesy of the artist and MACK